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Der kleine Vogel blickte nun schon eine ganze Weile in die finstere Nacht, die ihn umgab. Er war sehr erschöpft, denn er war den ganzen Tag geflogen und das, obwohl der Winter nun schon so lange unbarmherzig kalt, dunkel und lang währte. Hungrig war der kleine Vogel, wie er dort auf seinem Ast hockte, so hungrig, dass ihm das einschlafen nach seinem antrengenden Tag nicht recht gelingen wollte.

"Guten Abend, kleiner Vogel!" erklang plötzlich eine leise Stimme wie ein Windhauch in der Nacht neben ihm.
Der Vogel blickte sich um und fand zu seiner Rechten die Eisfee in ihrem Kleid ganz aus Schneekristall. Sie blickte ihn mit ihren funkelnden Augen an und fragte den Vogel: "Was ist passiert? Du siehst traurig aus."
Der kleine Vogel legte den Kopf schief und tschierpte: "Ich bin den ganzen Tag umhergeflogen und nun sitze ich in der Dunkelheit und Kälte und mein Hunger ist so groß, dass ich nicht schlafen kann, um mich zu erholen und für meinen Weiterflug am Morgen gestärkt zu sein."

Die Eisfee verstand was der Vogel sagen wollte und betrachtete ihn einen ganzen Augenblick ehe sie ihm auf ihre ganz besondere Art und Weise zulächelte und erwiderte: "Ich sehe deine Not. Wisse, dass ich ein Wesen des Winters bin und als ein solches gebiete ich über ihn und kann auch in einer noch so kalten Nacht wie der Heutigen Futter, welches der Winter vor allem Leben verborgen hält, für dich herbeischaffen. Doch wisse auch, dass Nichts in dieser Welt ohne einen Preis ist und du für all dein Handeln mit den Konsequenzen rechnen musst. Du musst fest entschlossen sein, es ganz fest wollen, dann will ich dir das leckerste Futter dieser Welt herbeibringen."
Der Vogel war überglücklich über die Aussicht auf etwas Essbares und so überlegte er nicht lange, dem Vorschlag der Eisfee zuzustimmen. Die Fee nickte nur und klatschte in die Hände und flog kichernd davon.

Der kleine Vogel blickte ihr nach und erst als er seinen Blick wieder vom Himmel gelöst hatte, bemerkte er einen großen, äußerst appetitlich aussehenden Keks neben sich auf dem Ast liegen. Bildete er es sich ein, oder roch der Keks noch ganz frisch? Schien er nicht geradezu die Wärme eines Ofens auszustrahlen? Große Schokoladensplitter ragten aus dem goldenen Mürbeteig und dem kleinen Vogel schlug wild das Herz vor Freude! Genüsslich pickte er sich einen Krümmel heraus und flatterte vergnügt mit den Flügeln. Der Geschmack war so wunderbar und lecker, dass der kleine Vogel vor Freude zu piepsen anfing und glücklich über seinen Ast tänzelte. Niemals hatte er etwas so köstliches gegessen und all die Strapatzen und Anstrengungen des Tages fielen von ihm ab.

Da wehte plötzlich ein eisiger Windhauch voll Schneeflocken heran und schüttelte den Baum, auf dem der kleine Vogel so vergnügt tanzte. Schneller als das der Vogel hätte reagieren können, geriet der Keks in Bewegung, rollte unaufhaltsam über die Astkante und kullerte hinab in die Dunkelheit der Nacht um für immer zu verschwinden.


Der kleine Vogel hielt entsetzt in seinem Tanz inne. Nur der Mond sah, wie die Tränen des kleinen Vogels in seinem Licht glitzerten und wie abgemagert die kleine Gestalt dort unten auf dem Ast doch wirklich war und so sorgte sich der Mond doch sehr, denn er wusste, dass dem kleinen Vogel kein Keks jemals mehr würde schmecken können.
5.3.06 19:24
 


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